Chronische psychische Krankheiten

Auf den folgenden Seiten werden einige chronische Krankheiten beschrieben, die in der ICD‑10 oder im DSM-IV1 als psychische Erkrankungen erfasst werden. Die Auswahl der Krankheitsbilder erfolgte nach den Kriterien der Häufigkeit oder der besonderen Bedeutung für den Schulalltag. Bei den meisten psychischen Krankheiten wurde der Schwerpunkt auf die Früherkennung gelegt.

Eine Diagnosestellung mit Hilfe dieser Hinweise ist jedoch nicht möglich und auch nicht beabsichtigt, denn dies kann nur von den dafür ausgebildeten Expertinnen und Experten geleistet werden. Die aufgeführten Punkte sollen Ihnen dabei helfen, Ihre eigene Wahrnehmung zu sensibilisieren, Ihre Sorgen besser begründen zu können und Ihre Beobachtungen für die Gespräche mit Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Ärztinnen und Ärzten und anderen vorzustrukturieren.

Die Beschreibungen der Krankheitsbilder erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit – sie können niemals die konkrete auf den Einzelfall bezogene Absprache von Eltern, Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern und Ärztinnen und Ärzten ersetzen. Auch zur individuellen Fort- und Weiterbildung wird es in vielen Fällen nötig sein, Veranstaltungen zu besuchen oder auf andere Quellen zurückzugreifen. Umfangreiches Material hierzu finden Sie im Internet oder bei verschiedenen Selbsthilfegruppen und Elternverbänden.

Bei psychischen Erkrankungen gilt noch mehr als bei den somatischen Erkrankungen: Eine Integration der betroffenen Schülerinnen und Schüler kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten (Schule, Klinikschule, Eltern, behandelnde Fachleute und mitunter auch die Jugendhilfe2) sich regelmäßig austauschen und zusammenarbeiten.

Eine psychische Erkrankung kann nur von dafür ausgebildeten Fachleuten diagnostiziert werden. Daher befinden sich Schülerinnen und Schüler, von denen Sie definitiv wissen, dass sie psychisch erkrankt sind, normalerweise auch in ärztlicher oder psychotherapeutischer Behandlung. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (gegebenenfalls auch die Kliniklehrkräfte) sollten neben den Eltern Ihre ersten Ansprechpartner sein, wenn es um Fragen des konkreten Umgangs mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern geht.

Beim Verdacht auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung bei einer Schülerin oder einem Schüler besteht die Möglichkeit sonderpädagogische Beratung und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.3

Schülerinnen und Schüler mit psychischen Erkrankungen benötigen sehr häufig sonderpädagogische Unterstützung im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Das Vorliegen einer psychiatrischen Diagnose reicht hierfür jedoch allein nicht aus, die Schülerinnen und Schülerinnen müssen so beeinträchtigt sein, dass sie „in ihren Bildungs-, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten so eingeschränkt sind, dass sie im Unterricht der allgemeinen Schule auch mit Hilfe anderer Dienste nicht hinreichend gefördert werden können“ (KMK-Empfehlung). Gemeinsam mit den zuständigen Sonderpädagogen und den Eltern sollte beraten werden, ob eine Antragstellung in Bezug auf sonderpädagogischen Förderbedarf sinnvoll und notwendig ist.

ADHS
Anorexia nervosa
Autismus
Borderline-Persönlichkeitsstörung
Bulimia nervosa
Depression
Schizophrene Psychosen
Schulangst und Schulphobie
Tourette-Syndrom
Zwangsstörungen


1Die ICD (International Classification of Diseases, Injuries and Causes of Death) ist das Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), in dem in Kapitel V unter dem Buchstaben F die psychischen Störungen klassifiziert werden. Das DSM ist das Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen (Diagnostik und Statistical Manual) der American Psychiatric Association.
2Siehe hierzu die Handlungsempfehlung „Kooperation von Schule und Jugendhilfe zum Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung“ sowie die Handreichung „Kooperation von Kinder- und Jugendpsychiatrie, Jugendhilfe und Schule“ der Berliner Senatsverwaltung.
3Zuständig sind in Berlin die bezirklichen Ambulanzlehrkräfte für den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Emotional-soziale Entwicklung“; in Brandenburg sind die Sonderpädagogischen Förder- und Beratungsstellen zuständig.