Schulpolitik

In dem Projekt Netzwerk „Schule und Krankheit“ haben wir die erheblichen Informationsprobleme kennengelernt, mit denen hilfsbereite Schulen und Lehrer_innen konfrontiert sein können, wenn sie sich um chronisch kranke Schüler_innen kümmern wollen. Sie haben eventuell nicht einmal erste Hinweise dazu, was in einem besonderen Fall zu tun wäre, und finden eventuell schwer Zugang zur benötigten Information.

Vier Beispiele mögen das illustrieren:

  1. Ein Brandenburger Schulleiter berichtet, dass „seit Jahren immer wieder“ psychisch kranke Jugendliche, die in Heimen leben, wenige Tage nach ihrer Einlieferung in das regionale Krankenhaus unbehandelt in ihre Schule zurückkehren, wo sie Probleme haben und verursachen. Es gelinge ihm nicht, von Heimerziehern oder Klinikpersonal oder Schulamt oder Sozialamt Auskunft zu erhalten, was hier zu tun ist und wer dafür zuständig wäre.
  2. Eine Schulpsychologin aus Bayern berichtet, die bayerischen Praktiken zum Nachteilsausgleich seien regional so unterschiedlich, dass weder die Schulleitungen noch Verbände, die auf einzelne Krankheiten spezialisiert sind, verlässliche Auskünfte geben können, was wo gilt. Gelegentlich seien selbst Auskünfte der Schulämter unrichtig oder stünden im Widerspruch zu Auskünften aus dem Kultusministerium.
  3. Der Leiter einer Berliner Realschule berichtet, er habe erfolglos nach Informationen zur Unterstützung eines kranken Schülers gesucht. Schließlich entschied er sich dafür, einen Lehrer zwei Wochen lang freizustellen nur zu dem Zweck, den erkrankten Schüler zu verschiedenen Ämtern, Beratungsstellen und Krankenhäusern zu begleiten, um seine Versorgung in die Wege zu leiten.
  4. Auch im Netzwerk „Schule und Krankheit“ waren wir mit der Unzugänglichkeit von Informationen konfrontiert. Für die „Handreichung“, die wir erstellt haben, versuchte die zuständige Mitarbeiterin während eines Jahres beharrlich, aus der Rechtsabteilung des Berliner SenBWF Auskünfte über bestimmte Berliner Vorschriften zu erhalten. Die Bemühungen blieben erfolglos; unsere offiziell von den beiden Ländern Berlin und Brandenburg mit herausgegebene Handreichung „Schülerinnen und Schüler mit chronischen Erkrankungen“ musste ohne die Berliner Vorschriften erscheinen.


Auf solche und weitere bisher unbefriedigte Informations-Bedarfe, die künftig mit fortschreitender Inklusion noch zunehmen werden, wollen wir antworten. Das Netzwerk konzentriert sich dabei – wie der Name anzeigt – auf die Bedürfnisse chronisch kranker Schüler_innen. Man weiß aber inzwischen, dass die pädagogische und schulorganisatorische Rücksichtnahme auf chronisch kranke Schüler_innen sich von der Rücksicht auf andere Schüler_innen mit besonderen Bedürfnissen nicht grundsätzlich unterscheidet. Immer geht es letztlich darum, in den üblichen, auf ganze Schulklassen orientierten Schulbetrieb die erforderliche Zeit, die Bereitschaft und die Qualifikation zur Berücksichtigung besonderer Bedürfnisse einzelner Schüler_innen einzubauen.

Aktuelle Diskussion

Nationale Konferenz "Inklusion gestalten - gemeinsam. kompetent. professionell." 2013

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, und der Präsident der Kultusministerkonferenz, Stephan Dorgerloh, eröffneten gemeinsam die Nationale Konferenz „Inklusion gestalten – gemeinsam. kompetent. professionell“.

Über 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik, der Bildungsverwaltung und Bildungspraxis haben darüber diskutiert, wie das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Menschen ausgebaut und die Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte für inklusive Bildung weiterentwickelt werden kann.

Programm der Konferenz

Arbeitsergebnisse des Workshops Schule

Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft - Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
Bundesministerium für Arbeit und Soziales, September 2011, 3.2 Bildung

Evaluation des Nationalen Aktionsplanes von September 2014

Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen
Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 20.Oktober 2011

Hamburger Erklärung des SchuPs-Kongresses 2013

Entschließung des Bundesrates "Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen - Sprache gestaltet Denken"
Drucksache 764/11 vom 16.12.2011

Grundsätze zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten
im Lesen und Rechtschreiben oder im Rechnen

Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15. November 2007